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Die japanische Wirtschaft befindet sich weiter auf der Überholspur
(W.F.Meemken, Dr. P.-J.Alexander)
Hervorragende Chancen für die deutsche Industrie in Asien und Osteuropa! In China liegt die Zukunft für deutsche Produkte! Ob China oder die GUS-Staaten, ob Osteuropa oder der pazifische Raum - an der Medienberichterstattung hierzulande über derartige potentielle Märkte für deutsche Unternehmen besteht kein Mangel! Dabei ist diesen Ländern eines gemeinsam: es fehlt an Kaufkraft!
Viel zu wenig hat die deutsche Industrie bereits in der Vergangenheit die japanische Industriemacht ernst genommen. Dabei haben Japans Wirtschaftserfolge der letzten Jahrzehnte in Deutschland sichtbare Spuren hinterlassen: der Untergang der Kameraindustrie in den 70er Jahren, die 'Eroberung' großer Teile der Elektroindustrie in den 80er Jahren sowie der Überlebenskampf der deutschen Büromaschinenbranche in jüngster Zeit sprechen eine deutliche Sprache. Und erst kürzlich ist eine weitere deutsche Branche in die Schlagzeilen geraten: Von der Öffentlichkeit nahezu unbemerkt hat die deutsche Umwelttechnik (derzeit rund 19% Marktanteil) nicht nur Marktanteile, sondern auch die Exportführerschaft an die USA (ca. 20% Marktanteil) abgeben müssen. Und Japan, vor wenigen Jahren nur mit 13% auf den Weltmärkten vertreten, fährt mit 18,8% im Jahre 1996 auf der unmittelbaren Überholspur!
Überhaupt besteht seit Jahrzehnten ein immenses Handelsbilanzungleichgewicht zugunsten Japans. Wird das nächste 'Opfer' der Japan AG nunmehr die deutsche Umweltbranche sein? Immerhin deutet alles darauf hin, daß neben riesigen Konglomeraten wie z.B. Mitsubishi oder Sumitomo vor allem auch japanische mittelständische Unternehmen hier 'Ichiban' werden, d.h. die Weltmarktführerschaft übernehmen wollen!
Als Antwort auf diese wirtschaftlichen Herausforderungen wurde in Deutschland bisher zwar eine Reihe von Analysen japanischer Erfolgsrezepte vorgenommen - und zum Teil fehlinterpretiert: dazu gehören etwa Just-in-time, Total Quality Control oder Kaizen und 'Lean Management'. Doch viel zu wenig wurde daraus von den Japanern gelernt! Von den Japanern gelernt hat immerhin die Chemie: Seit Jahrzehnten sind namhafte deutsche Chemieunternehmen in Japan ansässig und sie weisen in einigen Produktbereichen beachtliche Marktanteile auf. Hier ist man sich grundsätzlich über eines im klaren: Wäre man nicht vor Ort gewesen, hätte man sehr wahrscheinlich wichtige zukunftsträchtige Entwicklungen verschlafen. Und das hätte auch für die Chemie-Stammhäuser in Deutschland fatale Folgen nach sich ziehen können.
Dennoch - geradezu sträflich werden japanische Märkte noch immer von deutschen Unternehmern vernachlässigt. Vor dem Hintergrund, daß insgesamt 70% des gesamten asiatischen Bruttosozialprodukts in Japan erwirtschaftet werden, daß Japan dadurch das Land in Asien ist, das die höchste Kaufkraft für unsere technologisch hochwertigen Produkte aufweist und hier überproportionale Gewinnmargen ermöglicht, ist die mangelnde Präsenz deutscher Firmen zumindest unverständlich. Hinzu kommt, daß besonders im Hinblick auf deutsche Produkte bei den Japanern ein positives Image herrscht und nicht zuletzt, daß Japan aufgrund seiner hohen Qualitätsstandards auch deutsche Unternehmen dazu zwingt, eigene Qualitätsstandards zu überdenken: So ist es nur folgerichtig, wenn deutsche, in Japan tätige Topmanager immer wieder feststellen, daß derjenige, der in Japan Erfolg hat, überall Erfolg haben wird.
Gründe für das geringe deutsche Japaninteresse liegen sicherlich in dem nicht immer einfachen Einstieg in das Japangeschäft. Dennoch, viele Beispiele deutscher kleinerer und mittelständischer Unternehmen zeigen eindrucksvoll, daß sich langfristig angelegte Investitionen in Japan rentieren. Dazu gehört, neben der Beschäftigung mit Kultur und Verhalten der Japaner vor allem der Wille, trotz aller Widrigkeiten in japanischen Märkten Erfolg zu haben. Darüber hinaus fühlt sich Japan traditionell eng mit Deutschland verbunden. Selbst als Tourist kann man im Land der aufgehenden Sonne immer wieder erleben, wie positiv das Deutschlandimage ist - ein Tatbestand, der für Werbeaktivitäten deutscher Unternehmen einen großen Vorteil bietet, aber leider nur zu oft in Vergessenheit gerät.
Aushängeschild und Paradebeispiel für nachhaltige Markterfolge im japanischen Umweltmarkt ist der Osnabrücker Mittelständler 'Herzog Maschinenbau'. Frau Herzog, Geschäftsführerin, bringt den Erfolg ihrer Firma auf den Punkt: "Wir haben ganze sieben Jahre gebraucht, um im japanischen Markt überhaupt Fuß zu fassen. Das war natürlich nicht immer leicht und wir hatten Rückschläge mit sehr viel Geduld und Geschick zu meistern. Mittlerweile wickeln wir allerdings rund 60% unserer Geschäfte in Japan ab. Ohne diesen gewinnträchtigen Markt wäre unser Unternehmen heute bereits am Ende!".
Japan ist mittlerweile weltweit ein Referenzstandort für internationales erfolgreiches Engagement im Business geworden. Dagegen argumentieren jedoch viele deutsche Unternehmer: "Was soll ich denn in Japan? In China liegt doch die Zukunft!" Ein chinaerfahrener Geschäftsmann sagt dazu allerdings sehr pointiert, worum es dabei geht: "Für das Chinageschäft ist es gut, wenn ein Investor ein gutes finanzielles Polster hat. Am besten ist es, sein eigenes Geld mitzubringen! Acht Jahre sind wir hier mittlerweile tätig und hätten wir keine starke finanzielle Absicherung gehabt, wären wir sehr schnell in die Pleite gegangen." Trotzdem - China ist auf jeden Fall ein wichtiger zukünftiger Markt, der auch von der deutschen Industrie bei ihren strategischen Überlegungen nicht außer Acht gelassen werden sollte. Aber dies sollte nicht als Alternative zu Japan angesehen werden. Hier geht es nicht um ein entweder China oder Japan, sondern um ein 'sowohl als auch'! Bleibt zunächst zu hoffen, daß wenigstens die Medienberichterstattung auf Japan wieder mehr Gewicht legt - das wäre zumindest ein Anfang!
Warum Japan?
(Quelle: ECOS)