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Nippons Umwelt braucht deutsche Technik
(W.F.Meemken, Dr. P.-J.Alexander)

Wer mit Umwelttechnik Geld machen will, muß nach Japan. Dort drängen sich nicht nur rund 125 Millionen kaufkräftige Verbraucher, sondern auch Umweltprobleme: wachsende Müllberge und zunehmende Verschmutzung des Grundwassers sind nur die Spitze des japanischen Eisberges. Einen wichtigen Schritt auf den neuen Märkten haben nunmehr fünf deutsche Unternehmen der Umweltbranche durch die Gründung eines Firmenpool-Büros für Umwelt- und Geotechnologie in der Nähe von Tokio gewagt, der am 1. Mai 1997 offiziell startete. Ein eigens aus dem traditionsträchtigen japanischen Großunternehmen Mitsubishi eingestellter Topmanager und Branchenkenner wird die Geschäfte in Japan leiten. "Herr Tsunoda ist für uns ein wichtiger Garant für den Erfolg der Firmenpool-Mitglieder. Seine Aufgaben werden unter anderem darin bestehen, Firmenpool-Mitgliedern exklusive marktbezogene Informationen zu beschaffen, wichtige Kontakte zu japanischen Geschäftspartnern anzubahnen und Markteinführungen zu kostengünstigen Konditionen zu ermöglichen", urteilt Joachim Wischermann, Geschäftsführer der IHK-Düsseldorf..

Geplant und gegründet wurde der Firmenpool durch die IHK Düsseldorf sowie die IHK-Gesellschaft zur Förderung der Außenwirtschaft und Unternehmensführung mbH in Zusammenarbeit mit der Osnabrücker Firma ECOS (Gesellschaft für Entwicklung und Consulting mbH). "Unser Hauptziel ist zunächst, für diesen Firmenpool maximal 10 Unternehmen unter anderem aus Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen den Einstieg in den japanischen Markt zu erleichtern", weiß Wilhelm Berg, Geschäftsführer der IHK GmbH.

Ein Jahr Vorlauf hatte das Firmenpool-Projekt, das im Kanagawa Science Park sein Büro hat, 30 Minuten Fahrt mit der U-Bahn vom Zentrum Tokios entfernt. Den letzten Test für dieses Projekt erbrachte ein auch für die Osnabrücker Wirtschaft wichtiges Ereignis, das Mitte November 1996 in Osaka stattfand: 49 deutsche Firmen, davon acht aus Niedersachsen, hatten erstmalig auf der japanischen Umweltmesse 'New Earth' ausgestellt. Damit lag die bereits von den drei Partnern organisierte Messebeteiligung deutscher Unternehmen noch vor der des Weltmarktführers USA mit 22 Firmen. Das Angebot war breit gefächert: von der biologisch abbaubaren Verpackung bis hin zum Deponiebau, von Abgasanlagen über umweltfreundliche Toilettenanlagen bis zum Tunnelbelüftungsbau, vom Biogas bis zur Dachbegrünung. Große Bedeutung wurde der deutschen Beteiligung an der New Earth nicht nur durch hochrangige Besuche von Delegationen Berlins (Oberbürgermeister Eberhard Diepgen), Nordrhein-Westfalens (Staatsminister für Wirtschaft, Technologie und Verkehr Joachim Westermann) sowie der Wirtschaftsförderungsgesellschaft und der Deutschen Bundesstiftung Umwelt aus Osnabrück zuteil. Selbst das japanische Prinzenpaar fand den Weg von Tokio zu den deutschen Messeständen in Osaka, was in der japanischen Presse ein nachhaltiges Echo hervorrief. Aber auch die deutschen Messeteilnehmer selbst waren sehr zufrieden. Bereits während der Messe konnten einige Geschäftsabschlüsse mit japanischen Interessenten getätigt werden. Und das ist etwas sehr Ungewöhnliches in Japan, da hier allein die Geschäftsanbahnung generell langfristiger Natur ist.

Die New Earth Messe bot insbesondere ein hervorragendes Forum für deutsche Mittelständler; denn es gibt gute Gründe, sich im japanischen Umweltschutz zu engagieren: Japan gehört, wie Deutschland, zu den bevölkerungs- und industriereichsten Ländern der Erde mit gleichgearteten Umweltproblemen. Auch hier sind dicke Luft in Ballungsgebieten, große Abfallberge und verseuchte Böden, die das Grundwasser mit Schadstoffen verunreinigen, auf der Tagesordnung. Darüber hinaus ergeben sich weitere Ähnlichkeiten zwischen Nippon und Deutschland: der größte Umweltmarkt Asiens liegt im fernöstlichen Inselreich, Deutschland ist im Bereich Umwelt nach wie vor führend in Europa. Während Deutschland Sprungbrett zu ost- und westeuropäischen Märkten ist, bietet Japan eine gute Ausgangsposition für südostasiatische Märkte. Überdies bietet der japanische Umweltmarkt enorme Chancen: Nach Angaben des japanischen Handelsministeriums MITI wird sich der dortige Umweltmarkt von heute bis zum Jahr 2010 auf rund 560 Mrd. DM verdoppeln. Schätzungen besagen ferner, daß sich dann das Marktpotential allein für Abfallentsorgung und Recycling auf 364 Mrd. DM belaufen wird.

Der japanische Markt für Umwelltechnik / VDI-Nachrichten Nr. 47, 22. Nov. 97
(siehe Abbildung: Der japanische Markt für Umwelltechnik / VDI-Nachrichten Nr. 47, 22. Nov. 97)

Ob Recycling, Sanierung oder Reinhaltung von Luft und Wasser: Es gibt durchaus Hürden beim Transfer deutscher Technik nach Japan. Die deutsche Umwelttechnik gilt hier teilweise als übertechnisiert und grenzwertorientiert. Oft lassen sich Anlagen aber nur dann verkaufen, wenn sie flexibel und preiswert sind und wenn ihre Wartung einfach ist. "Und damit tut sich der deutsche Ingenieur eben schwer", erklärt Ralf Wilde, Präsident des TÜV Rheinland in Japan.

Dennoch - "der größte Auslandsmarkt für deutsche Umwelttechnik liegt nicht in den USA, China oder woanders - er liegt in Japan", berichtet Sigrid Scharp von ECOS. Für diese Behauptung gibt es eine ganze Reihe von Argumenten:
  • deutsche Produkte und Verfahren genießen in Japan ein ausgezeichnetes Image,
  • in Japan ist das Preisniveau für bestimmte Technologien, beispielsweise im Abfallbereich, höher als in Europa,
  • amerikanische Technik, die derzeit mit rund zwei Dritteln den Großteil der japanischen Importe ausmacht, kann nicht alle Probleme lösen,
  • japanische Kommunen und Betriebe können sich teure High-Tech leisten.
Ein gutes Beispiel dafür, daß auch kleinere Unternehmen im japanischen Umweltmarkt Erfolg haben können, zeigt die Strodthoff & Behrens GmbH, die zum richtigen Zeitpunkt auf den japanischen Markt setzte. Ein gegenwärtiger Trend zum umweltbewußten Handeln in Japan bot hervorragenden Flankenschutz. Unter dem Motto 'Grüne Lungen für Japans Großstädte' gelang es der Strodthoff & Behrens GmbH, ihre 'extensive Dachbegrünung' in den japanischen Markt einzuführen. Damit ist die Erfolgsstory jedoch noch nicht am Ende. Gegenwärtig verfügt die Umweltfirma über ein Vertriebsnetz von rund 20 japanischen Partnern und ist dadurch in der Lage, ihre Produkte japanweit profitabel zu verkaufen.

Der Zugang zum japanischen Umweltmarkt ist nicht immer einfach. Ähnlich wie in Deutschland gibt es in Japan ein prozeßorientiertes Umweltrecht; regionale Gebietskörperschaften haben in Japan eine hohe Autonomie, was zu stark unterschiedlichen Regelungen und individuellen Grenzwerten in der Praxis führt. Außerdem läuft nur sehr wenig ohne einen starken japanischen Partner. Hier bietet aber gerade der Firmenpool für Umwelt- und Geotechnologie enorme Vorteile; denn Firmenpräsenz und langfristig angelegtes Engagement sowie professionelle Vorbereitung des Markteinstiegs spielen auch im japanischen Umweltmarkt eine zentrale Rolle.

Die drei Partner der Firmenpoolinitiative sind zu Recht stolz auf ihren Erfolg. "Unser Firmenpool ist einer der wenigen branchenbezogenen und der einzige, der überhaupt zu diesem Sektor zustande gekommen ist. Vielleicht macht unser Beispiel in Zukunft Schule und zieht weitere Firmenpools für Umwelttechnik nach sich", bemerkt Wilhelm Berg von der IHK-GmbH. Bleibt abzuwarten, inwieweit sich diese Hoffnung erfüllt und weitere Schritte unternommen werden, damit Weltmarktanteile wenigstens in diesem Segment von deutschen Unternehmen zurückerobert werden können.
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