ECOS - Japanberatung, Projektentwicklung, Projektmanagement

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Herausforderung Japan:

Umweltschutz als kontinuierlicher Prozeß
Vom Qualitätsmanagement zum Umweltmanagement


gefördert durch die
Deutsche Bundesstiftung Umwelt


Inhaltsverzeichnis
  • Unternehmenserfolg durch Umweltschutz
  • Vom Qualitätsmanagement zum integrierten Umweltmanagement
  • Umweltkaizen - Umweltschutz als Prozeß
  • Mitarbeiterbeteiligung
  • "Zusammenarbeit" mit anderen Unternehmen
  • Neue rechtliche Herausforderungen durch das Kreislaufwirtschaftsgesetz
  • Konsequenzen für das zukunftsfähige Unternehmen
  • Vom Impuls zum Prozeß - auf dem Weg zum Umweltmanagementsystem
  • Anhang


1. Unternehmenserfolg durch Umweltschutz

Das Phänomen ist bekannt: der Umweltschutz im Unternehmen funktioniert zumeist nach dem Prinzip "Zuckerbrot und Peitsche". Es bedarf offenbar des Leidensdrucks oder des Anreizprinzips, damit Umweltbewußtsein zu verändertem Handeln im Betrieb führt. Erst die Anforderungen der Gesetze, des Marktes und der Gesellschaft veranlassen also in der Regel zu einem Reagieren. Dabei stößt die Devise vieler Manager "Augen zu und durch" an Grenzen. Sich diesem Problemdruck zu entziehen, ist betriebswirtschaftlich kurzsichtig und langfristig gesellschaftlich unverantwortbar. Für ökonomisch fundierte Entscheidungen über Maßnahmen zum Umweltschutz bedarf es sowohl der Erfassung ihrer Kosten als auch ihres Nutzens. Erfahrungen belegen, daß sich die meisten Ausgaben im Umweltschutz amortisieren und nach einiger Zeit sogar Gewinn bringen. Mit Sicherheit würde man jedem Unternehmer unwirtschaftliches Handeln vorwerfen, der diese Möglichkeiten nicht ausreichend nutzt.

Da verblüfft das häufig wiederholte Argument um so mehr, daß sich die Unternehmen durch die Erfüllung der Umweltauflagen angeblich in den Selbstruin treiben. Ein Unternehmen, das sich den vermeintlichen Luxus erlaubt, darüber hinauszugehen, riskiere seine Wettbewerbsfähigkeit. Im allgemeinen leisten sich denn auch die Unternehmen für den Umweltschutz nur denjenigen finanziellen Aufwand, der zur Einhaltung der Gesetze und Auflagen unbedingt erforderlich ist. Dem stehen jedoch Wettbewerbsvorteile durch Kostensenkung gegenüber. Viele Maßnahmen, z.B. solche der Wasser-, Energie- und Rohstoffeinsparung, dienen sowohl dem Umweltschutz als auch der Kostenverringerung und damit der Erzielung von Wettbewerbsvorteilen. Daß wirksamer Umweltschutz stets mit hohen Kosten verbunden ist, muß als ein Vorurteil gelten. Viele Beispiele belegen, daß sich mit wenig Geld und viel Wissen betrieblicher Umweltschutz effektiver betreiben läßt als mit viel Geld und wenig Wissen.

Umweltschutz läßt sich allein aus ökonomischen Gründen rechtfertigen

Eine systematische Einführung einer umweltorientierten Unternehmensführung zeigt, daß das Nachdenken über Materialflüsse im Betrieb Rationalisierungsreserven zu Tage fördert, die ohne die Bemühung um eine umweltorientierte Lösung verborgen geblieben wären. Zusätzlich fördert eine umweltorientierte Unternehmensführung bei maßgeblichen Mitarbeitern des Unternehmens das "vernetzte Denken". Dadurch ergeben sich Innovations- und Rationalisierungserfolge im Bereich auch der klassisch-fachlichen Aufgaben des Unternehmens. Auch ist zu berücksichtigen, daß zahlreiche Maßnahmen in ihrer Kostenauswirkung zwar nicht klar zu quantifizieren sind, aber indirekt ebenfalls zu einer Kostenvermeidung oder -senkung führen. Zum Beispiel kann das Angebot eines vollwertigen Kantinenmenüs einen wichtigen Beitrag zur Gesundheit der Mitarbeiter leisten und mittelbar die betrieblichen Fehlzeiten und die daraus resultierenden Lohnfortzahlungskosten senken.

Gefährdet werden die Chancen eines aktiven betrieblichen Umweltschutzes allerdings, wenn sie unter der alleinigen Rentabilitätsformel "Gewinn durch Umweltschutz" umgesetzt werden. Denn die Unternehmen neigen dann unter erschwerten ökonomischen Rahmenbedingungen dazu, ihn wieder zurückzuschrauben. Dies ist zumindest langfristig mit zahlreichen betriebswirtschaftlichen Nachteilen verbunden und leugnet die gesellschaftliche Verantwortung.

Warum also der Umweltverantwortung nicht aktiv begegnen, wenn Staat und Kunden dies ohnehin erwarten? Es gilt, sich die eigenen Technologie- und Personalpotentiale zunutze zu machen und das Umweltrisiko vorsorgend zu managen. Denn mit einem im Umweltschutz aktiven Unternehmen wird vorsorgendes Risikomanagement betrieben: Vermeidung von Kosten für umweltschutzbedingten Produktionsausfall, für Schadensbeseitigung, für Imagekampagnen nach Unfällen (Hoechst AG) und Störfällen, die ohnehin unglaubwürdig wirken. Vermieden werden ebenso Kosten aus Haftungsverpflichtungen und Nachrüstkosten bei Unterlassung rechtzeitiger Umstellungen. Als besonders erfolgreiches Konzept zur Realisierung von Einsparpotentialen durch Maßnahmen des betrieblichen Umweltschutzes hat sich der produktionsintegrierte Umweltschutz einen Namen gemacht. Integrierter Umweltschutz bedeutet, Produktgestaltung und die Produktionsprozesse in den Unternehmen schon frühzeitig auf ökologische Schwachstellen zu untersuchen, anstatt nachträglich kostspielige Korrekturen durchführen zu lassen. An Stelle der hochgezüchteten (und meist teuren) end-of-pipe-Technologien, die die negativen Folgen der Produktionsprozesse einzudämmen versuchen, gehen integrierte Ökologiekonzepte den Ursachen auf den Grund und beseitigen sie.

Beispielhaft für einen sinnvollen produktionsintegrierten Umweltschutz ist die Klär-Fix-Anlage, die bei der Sievert AG seit 1987/88 erfolgreich eingesetzt wird. In dieser Anlage werden die Rückstände der Frischbetonherstellung aus den LKW ausgewaschen. Durch das Kammersystem werden Wasser und Feinstteile entzogen und die Feststoffe wie Sand und Kies aussedimentiert. Dieser weitgehend geschlossene Kreislauf vermeidet Umweltbelastung durch Abfälle. Denn entsprechend aufbereitet gehen die Bestandteile wieder in den Produktionsprozeß zurück. Das verunreinigte Wasser wird wiederum zum Anmischen verwendet.

Was grün ist, wächst!

Zu ihrer Umweltverantwortung bekennen sich inzwischen viele Unternehmer - die Umweltidee wird zunehmend zu einem Faktor im Wettbewerb. Die aktiven Unternehmen, die Umweltschutz nicht als Bedrohung, sondern als Chance verstehen, erschließen damit sogar neue Marktpotentiale. Aber auch wenn ökologische Produkte nicht zum Bestandteil der Angebotspalette gehören, sondern betrieblicher Umweltschutz eine Verfahrensentscheidung ist, schafft die Ökologisierung des Unternehmens neue Marktchancen. Durch das gestiegene Umweltbewußtsein der Endabnehmer und die gezielte Verfolgung des Verursacherprinzips erzwingen die Abnehmer in zunehmenden Maße einen Umweltverträglichkeitsnachweis für Produktionsverfahren und Endprodukte. Der Trend zu steigenden ökologischen Anforderungen ist unaufhaltsam. Die Devise lautet also: nicht hinterherlaufen, sondern sich die Vorteile dadurch sichern, daß man schneller ist als die Konkurrenz. Denn ökologische Vorteile geben immer öfter den Ausschlag bei der Auftragsvergabe.

Auch die Kunden legen zunehmend Wert auf ökologisch verträgliche Produkte. Daß deshalb umweltverträglich hergestellte Produkte bessere Marktchancen haben, zeigt das folgende Beispiel:

Das Unternehmen A.H. Meyer Maschinenfabrik GmbH beschäftigte sich schon lange, bevor es sich zu einem gesamtgesellschaftlichen Ziel entwickelt hat, mit dem Schutz der Umwelt und der Schonung der Ressourcen. Zu ihrem Lieferprogramm gehören u.a. Maschinen zur Herstellung von Strohkernmatrazen, Verpackungen aus Holzwolle, Naturfaserrohlinge für Polstermöbel und Erosionsschutzmatten. Verarbeitet werden Fasern von nachwachsenden Rohstoffen wie Kokos, Stroh, Jute, Baumwolle, Sisal, Flachs und Hanf. Die Produkte sind also recyclefähig bzw. voll verrottbar. Dadurch können Entsorgungskosten verringert werden.

In den letzten Jahrzehnten ist eine breit gefächerte Firmengruppe aus der ursprünglichen Maschinenfabrik erwachsen. In der Produktionsfirma werden die umweltfreundlichen Produkte hergestellt, eine Handelsfirma liefert die benötigten Fasern, ein Joint Venture sichert die Nähe zum häufig verwendeten Rohstoff Kokosfaser und eine Begrünungs GmbH schafft vorkultivierte Produkte, wie Fertigrasen und Dachbegrünungssysteme. Gerade Dachbegrünungen haben sich sowohl aufgrund der strengen gesetzlichen Auflagen als auch aufgrund der verbesserten Akzeptanz in der Bevölkerung als Verkaufsschlager entwickelt. Hier kommen ökologische und ökonomische Vorteile zum Tragen. Denn die Dachbegrünung ist mittlerweile als Ausgleichsmaßnahme anerkannt und wird bei vielen Neubauprojekten sogar vorgeschrieben. Auf diesem Wege können dem Kunden umweltfreundliche Komplettlösungen - von der Maschine bis zum Endprodukt - angeboten werden.

Umweltschutz ist Existenz- und Zukunftssicherung

Unter erschwerten ökonomischen Bedingungen kann der betriebliche Umweltschutz eine Chance für kleine und mittelständische Unternehmen sein. Denn die ökonomische Krise erfordert neue Verfahren, neue Produkte und neue Märkte. Dabei stellt die ökologische Qualität ein wichtiges Kriterium des Zukunftserfolges dar.

Außerdem ist jedes Unternehmen ohnehin verpflichtet, seine betrieblichen Sorgfaltspflichten zu erfüllen. Gesetzgebung und Rechtsprechung zwingen Unternehmer und Betriebsleiter immer mehr, darüber nachzudenken, ob sie mit den vorhandenen Organisationsformen Haftungsrisiken ausschließen können. Die Notwendigkeit auch in Ihrem Unternehmen Risikovorsorge zu betreiben, ist unabwendbar geworden, wenn Sie nicht die Kosten aus Haftungsverpflichtungen und Nachrüstkosten bei Unterlassung rechtzeitiger Umstellungen tragen wollen. Daher ist dies eine für die zukünftige Existenz Ihres Unternehmens immer wichtiger werdende unternehmerische Aufgabe.

Umweltschutz kann auch bei verstärktem Wettbewerbsdruck sinnvoll sein:

Als Zulieferer der Automobilindustrie ist das Unternehmen Julius Heywinkel GmbH seit langem einem harten Wettbewerb ausgesetzt. Und obwohl, wie der Geschäftsführer Herr Pontius sagt, in diesem Bereich nur der Preis entscheidet, treibt das Unternehmen einen aktiven Umweltschutz. Da intern kein ausreichend geschultes Personal vorhanden war, hat man sich für einen externen Berater entschieden. Erste Erfolge wurden schnell erzielt. Im Bereich der Abfallbeseitigung konnten bereits durch ein geändertes Konzept 20% der Kosten eingespart werden. Außerdem ist die Einhaltung der gesetzlichen Auflagen sichergestellt. Darüber hinaus wurde ein von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt gefördertes Projekt initiiert, bei dem es um die Entwicklung eines Trägermaterials für Interieurteile aus umweltfreundlichen, nachwachsenden Rohstoffen geht. Bei der Planung einer neuen Beschichtungsanlage wird nach Möglichkeiten gesucht, die Abwärme der Nachbrennanlage, die zur Entsorgung der Lösungsmittel dient, weiter zu nutzen. Ebenso steht u.a. ein Blockheizkraftwerk zur Diskussion, mit dem Abwärme und Strom für die Produktion gewonnen werden können. So werden zusätzliche CO2-Emissionen vermieden und Energieerzeugungskosten minimiert. Ein Recyclingkonzept für beschichtetes Gewebe ist angedacht und befindet sich in der Erprobungsphase.


Herausgeber:
ECOS Gesellschaft für Entwicklung und Consulting mbH
Osnabrück, April 1997

Redaktion:
Dr. Rolf Fobker, ECOS GmbH
© bei den Autoren

Projektleitung:
Prof. Dr. György Széll, Universität Osnabrück

Autoren:
Dr. Peter-Jörg Alexander, Universität Osnabrück
Dr. Rolf Fobker, ECOS GmbH
cand. rer. pol. Jürgen Haneberg, ECOS GmbH
cand. psych. Christian Hoffmann, Universität Osnabrück
Dipl.-Soz.-Wirt. Wilhelm Meemken, ECOS GmbH
Dipl.-Soz.-Wirt. Claudia Westerhus-Graumann, ECOS GmbH

Beteiligte Unternehmen und Mitautoren
Dr. Rudolf Berres, Sievert AG
Dipl.-Biol. Matthias Fischer, A. H. Meyer Maschinenfabrik GmbH
Dipl.-Ing. Hanno Friderici, Heinz Essmann GmbH
Prof. Dr. Gerhard Lohmeier, Gebr. Hellmann GmbH & Co. KG
Dipl.-Ing. Klaus Pontius, Julius Heywinkel GmbH
Reinhard Szyszka, Gebr. Hellmann GmbH & Co. KG
C U T - Centrum für Umwelt und Technologie

Berater
Dipl.-Kff. Verena Exner, Deutsche Bundesstiftung Umwelt
Dipl.-Ing. Martin Foth, Ibek GmbH
Prof. Ishikawa, Chuo-Universität, Japan
Sachiko Oosawa, Yokohama, Japan
Dr. Weidner, Wissenschaftszentrum Berlin

Kooperationspartner
C U T - Centrum für Umwelt und Technologie, Osnabrück
Rationalisierungs-Kuratorium der Deutschen Wirtschaft (RKW) e.V., Eschborn
Rationalisierungs-Kuratorium der Deutschen Wirtschaft (RKW) e.V., Landesgruppe Niedersachsen, Hannover
WFO - Wirtschaftsförderung Osnabrück
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